Textilfassaden

„Negligés für Bauwerke“


Textilfassaden lassen Bauwerke sexy werden.

Wir Planer haben neue innovative Möglichkeiten erhalten, unserem künstlerischen Wirken, durch textile Fassaden Ausdruck zu verleihen. Das bauliche Negligé entpuppt sich als ästhetischer Tausendsassa, ob hinterleuchtet, bedruckt, oder mit farblich abgestimmten Hintergründen der Gestaltungsvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. Die Möglichkeit, fast jede Geometrie zu verwirklichen kommt hinzu.

Je nach Belichtung ist das Negligé durchscheinend – fast immateriell oder es verdeckt bewusst – was Neugierde auf das dahinter weckt. Je nach Aufbau und Hintergrund entstehen im Zusammenspiel mit Licht Moiréeffekte, ein Erscheinungsbild wie Satinstoff. Bei Nacht wird die textile Fassade zum kunstlicht beleuchteten Kunstwerk. Sie wird zu einer lebendigen Außenhaut, ständig wechselnd zwischen transluzenter Struktur und monolithischem Bauwerk. (s. Bilder Glockenturm) Durch Überdeckung verschiedener Farben (Hintergrund und Textil) können interessante Mischfarben erzielt werden. Ob großflächige Überspannungen, kleinteilige Fassadenausschnitte oder bewegliche Fassadenelemente als Sonnenschutz, textile Gestaltung bringt das Bauen auf ein neues Niveau.

Dies gilt nicht nur für die formal ästhetischen Ausdrucksmöglichkeiten sondern auch für die funktionalen Notwendigkeiten beim Bauen. Bei der in Bau befindlichen zweigeschossigen Produktionshalle (s. Bild) wird die Textilfassade zur Klimahülle. Das Textil schützt das Bauwerk vor Schlagregen, Wind, und UV Strahlen, bei sommerlichen Temperaturen und offenen Fenstern die Nutzer vor Insekten. Das Textil ermöglicht ungehinderte und schnelle Dampfdiffusionsreaktionen für die wandbildenden Bauteilschichten und sorgt so für ein angenehmes Raumklima. Mit geringsten Materialressourcen (600 Gramm / m²) erstellt, einer

100% igen Recyclingfähigkeit des Fassadengewebes sowie die nachhaltige Nutzung der Edelstahl – Unter- und Aluminium Spannkonstruktion, ist diese Textilfassade ein innovativer Mitstreiter beim Klimawandel.

Das hier verwendete Textilspannsystem von FACID, ist eine Gewebeauswechselung der Textilfassade weniger aufwendig als ein neuer Anstrich einer Putzfassade.

Die konservative Baubranche macht es der innovativen Textilfassade schwer sich zu verbreiten. Das dargestellte Beispiel der Textilfassade einer Produktionshalle in Mülheim Ruhr ist zur Zeit NRW – weit die Einzige in Ihrem Komplettaufbau als Klimahülle. Die Entwicklungen der Zukunft lassen noch viel Spielraum für Innovationen. Die Kombination von Stampflehmwänden und textiler Schutzhülle, Intelligente Textilien, die sich an das Wetter Anpassen, Bionische Textilaufbauten wie Blätter, die über Photosynthese Strom erzeugen, Textilien die Gebäudeabwärme wieder zurückreflektieren.

Bis die Bauindustrie soweit ist, können wir Planer beruhigt die jetzt schon existierenden Möglichkeiten des baulichen Negligés kreativ nutzen.

Dipl.-Ing. Gunvar Blanck, BDA

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